Leseklub

Leseklub in der Mediothek

Seit Juni gibt es den ersten inklusiven Leseklub in Krefeld: Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und Menschen ohne Behinderung lesen zusammen Geschichten in Einfacher Sprache. Der Leseklub wird ehrenamtlich geleitet und findet in der Mediothek statt.

 

„Wir wollten mit dem inklusiven Leseklub eigentlich schon vor zwei Jahren beginnen“, erzählt Silvana Pasquavaglio, „aber die Corona-Pandemie hat unseren Plan zunichte gemacht.“

Silvana Pasquavaglio ist Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, sie arbeitet gemeinsam mit Angelika Fehmer im Büro für Leichte Sprache – Niederrhein. Das Büro gehört zur Lebenshilfe Krefeld e.V. Die beiden Frauen haben die Idee für den Leseklub zusammen mit Sabine Simonsmeier von der Mediothek Krefeld entwickelt. Beide Expertinnen für Leichte Sprache machen die Arbeit als Moderatorinnen des Leseklubs ehrenamtlich.

Am 2. Juni hat die erste Leserunde in der Mediothek stattgefunden. Die Institution wird ihren Clubleseraum dafür auch weiterhin frei zur Verfügung stellen. Acht Personen aus Krefeld und Umgebung hatten sich angemeldet: „Die Gruppe war bunt gemischt, so wie wir uns das erhofft hatten“, sagt Frau Pasquavaglio: „Die einen Teilnehmer hatten eine Nachricht über den Leseklub in der Zeitung gelesen, die anderen hatten über den Instagram-Account der Lebenshilfe Krefeld davon erfahren.“

Besonders gefreut haben sich die Teilnehmenden über die Anwesenheit des jungen Gabriel aus Nicaragua. Er hofft, durch die Teilnahme am Leseklub sein Deutsch verbessern zu können, bevor er demnächst ein Studium beginnt.
Die Diversität der Gruppe, vier Menschen mit geistiger Einschränkung und vier Menschen ohne Einschränkung, war kein Problem.

Nach der ersten Anfangsnervosität brach schnell das Eis, was sicher auch an dem gemütlichen Clubleseraum lag. Auch altersmäßig gab es eine große Spanne: Von Anfang 20 bis Ende 50 waren fast alle erwachsenen Altersgruppen vertreten.
Sabine Simonsmeier gab zu Beginn eine kleine Einführung und berichtete von den Büchern in Leichter und Einfacher Sprache, die die Mediothek in ihrem Bestand hat. „Lust am Lesen“ steht über dem Regal.

Silvana Pasquavaglio erläuterte im Anschluss, wie der Leseklub funktionieren soll: Bei jedem der einstündigen Treffen wird eine Geschichte gelesen und anschließend diskutiert. Jeder, der möchte, kann mit vorlesen. Es ist aber genauso okay, einfach nur zuzuhören. Ebenso sind auch Teilnehmer willkommen, die überhaupt nicht lesen können und einfach nur Spaß am Zuhören haben.

Die erste Geschichte gefiel allen Anwesenden ausgesprochen gut. Mit einfachem Satzbau, kurzen Sätzen und leichten Wörtern entfaltete sie ihren sprachlichen Zauber und machte zudem richtig gute Laune. Wie wohl sich die Teilnehmer fühlten, zeigt sich auch daran, dass der junge Nicaraguaner Gabriel zum Schluss ein Gedicht auf Spanisch auf Band abspielte, das er zuvor aufgenommen hatte. Die Sprachmelodie fesselte alle, auch wenn nur die wenigsten den Inhalt verstehen konnten. Als sich dann auch noch herausstellte, dass Gabriel das Gedicht selbst geschrieben hat, war die Begeisterung groß. Zum nächsten Treffen wird der junge Nicaraguaner den Text übersetzen, so dass die Gruppe auch über dieses Gedicht diskutieren kann.